Das Gewitter & ich

Ich spürte das Gewitter schon lange, bevor es sich im Aussen zeigte. Es begann, in mir drin. Ein Gefühl, das alles in mir brodelt. Alles fühlt sich aufgeladen, ja beinahe überladen an. Zuviel, kaum zu ertragen. Auch im Aussen spüre ich sie, die Ladung. Fast unerträglich warm & feucht zugleich. Ich geniesse noch einen wundervollen Sonnenuntergang, der ganze Horizont hat sich dunkelorange gefärbt & auf einmal ist da auch ein leuchtend roter Feuerball am Firmament. Magisch. Ehrfurcht steigt in mir auf. Ich bin tief fasziniert von der Schönheit der Natur. Der Schönheit im Aussen.


Denn meine eigene Schönheit kann ich gerade nicht erkennen. Sie wird überlagert von einer Schicht Dreck, der aber bereit ist sich aufzulösen oder sich wegwaschen zu lassen. Ich spüre, dass wieder ein Schub an Wachstum ansteht. Das mein Kostüm zu eng geworden ist, der Kokon keinen Platz mehr für mich hat. Ich kann das Gefühl fast nicht aushalten, winde mich in dieser Gefangenschaft meiner Selbst.

Ich bin alleine. Oder doch All-Eins? Die Einsamkeit überwiegt gerade. Auch das Selbstmitleid, eine alte Bekannte, lässt sich blicken. Ah ja, die liebe Trauer ist auch da. Alle zusammen: herzlich Willkommen! Schön, dass ihr da seid. Auch wenn es gerade schwer ist, euch zu spüren & zu empfangen, so weiss ich doch, dass es zu meinem Besten ist. Warum weiss ich das? Weil ich erkannt habe, dass ich glaube.


Ich glaube zutiefst daran, dass ich Schöpferin meines Lebens bin. Gleichzeitig, glaube ich, dass ich Schöpfung bin. Das heisst, auch wenn ich das Gefühl habe, alleine zu sein, so bin ich es doch nie. Denn Gott ist immer bei mir. Er führt mich durch mein Leben & zeigt mir den Weg, auch in der dunkelsten Nacht. Das Einzige was es von mir braucht: Hingabe.


Du willst jetzt aufhören zu lesen, weil es dir zu religiös wird? Kannst du gerne machen, du bist frei in all deinen Entscheidungen. Schliesslich ist deine Zeit überhaupt das wertvollste, was du überhaupt hast. Also entscheide Weise, wie du sie einsetzt. Aber darf ich dir meine Geschichte erzählen? Mit Religion oder Kirche hat mein Glauben wenig zu tun. Auch wenn ich katholisch aufgewachsen bin, die Taufe, 1. Kommunion & Firmung erhalten habe, wendete ich mich doch vor 1 Jahr von der Kirche & für mich damit scheinbar auch von Gott ab. Doch dass ich mir damit die Möglichkeit schuf, meinen Glauben viel freier & selbstbestimmter als jemals zuvor zu leben, ist mir erst jetzt so richtig bewusst. Denn nichts ist besser, als eigene Erfahrungen zu machen & für dich herauszufinden, ob & wie du glaubst. Jedenfalls hatte ich diese Nacht eine tiefe Realisation.


Nun lag ich also in meinem Bus, die Hitze staute sich darin & ich wühlte mich nervös hin & her. Nichts schien mir Linderung zu bringen. Dachte ich bis dahin… Auf einmal ging es los, ich hörte fast das Knistern in der Luft. Du kennst es bestimmt, das Knistern vor einem grossen Gewitter. So als ob die elektrische Ladung wirklich spürbar ist. In letzter Sekunde, kam mir in den Sinn, noch alle Fenster zu schliessen – ein kläglicher Versuch, frische Luft hineinzubringen. Doch ich spürte, dass ein Regenschauer bevorstand, ein heftiger noch dazu. Kaum hatte ich alle Fenster & Türen geschlossen, ging es auch schon los.


Ein solch heftiges Gewitter habe ich bis heute nie erlebt. Mag sein, dass der Umstand, dieses in einem Bus mitzuerleben, das Ganze natürlich intensiviert. Jedenfalls war der Himmel plötzlich dauererhellt von gleissend, weissem Licht. Ich erkannte anfangs nicht mal einzelne Blitze, sondern der ganze Himmel glühte förmlich weiss. Der Regen prasselte unaufhaltsam gegen das Auto. Der Wind schüttelte & rüttelte alles so stark durch, dass ich Zeitweise dachte, der Bus wird umgeschmissen. Und der Donner, er grollte so laut & unnachgiebig, dass ich dachte, ein Berg stürzt auf mich nieder. Zu theatralisch? Naja, so habe ich mich gefühlt.


Alle Vorhänge geschlossen, habe mich unter meine achso-geliebte Decke (der beste Schutz vor ALLEM!) verkrümelt. Die Angst hatte mich so fest im Griff, dass ich wie gelähmt dalag & dachte: das könnte es jetzt gewesen sein, heute könnte mein Todestag sein. Echt jetzt, ohne Spass. In diesem Moment hatte ich solche Angst, dass ich nichts anderes Denken konnte. Und in eben genau diesem tiefsten Moment, in der grössten Dunkelheit meiner Seele, spürte ich das Licht in mir. Ja echt jetzt, ich sah es nicht, ich spürte es.


Es kam in Form eines tiefen, bedingungslosen Vertrauens. Einem tiefen Wissen, dass alles in meinem Leben immer für mich geschieht. Sollte ich also heute Nacht sterben, so war es Gott, der das so wollte. Sollte ich heute Nacht, nach Hause zurückkehren, dann weil es sein Wille war. Die Angst schwand & eine irgendwie fast gespenstische Ruhe kehrte ein. Ich erinnerte mich auf einmal an alle Geschichten über Nahtod-Erfahrungen, die ich je gelesen oder gehört hatte. Nicht, weil das jetzt eine war, nein. Sondern weil sie alle eine Antwort haben: sterben ist leicht. Das Licht, dass uns empfangen wird, ist heller, wärmer & umhüllender als alles, was es sonst gibt. Das Heimkehren der Seele zu ihrem Ursprung ist geprägt von unbeschreiblicher, tiefer, bedingungsloser Liebe. Wovor brauchte ich also Angst zu haben?


Verstehe mich nicht falsch, ich WOLLTE nicht sterben, aber die Angst war auf einmal weg. Und an ihre Stelle kehrte ein tiefes Wissen ein, dass alles genau so kommt, wie es kommen soll. Ich habe auch tief in mir das Gefühl, dass ich diese Erfahrung machen durfte, weil ich vor über einem Jahr die Entscheidung traf, mein Leben einerseits mehr & aktiver zu gestalten als jemals zuvor. Schöpferin meiner eigenen Realität zu werden. Und eben gleichzeitig voll & ganz Schöpfung zu sein. Ein nie endender Fluss des Lebens, welchem ich mich immer wieder auf’s Neue hingeben kann. Im Wissen darum, ALL-EINS zu sein. Aho!



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